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projekt: kat //

meine körperlich behinderte freundin lässt sich nackt fotografieren.

 

kat ist eine spastikerin und sitzt im rollstuhl. sie lebt hundertprozentig selbstständig und selbstbestimmt, ist in jeder hinsicht ein sehr besonderer mensch; zufrieden und ausgeglichen, ihre einschränkungen sind längst kein hindernis mehr. der gedanke, sich (nackt) fotografieren zu lassen, war trotzdem eine neue und vermutlich auch etwas befremdliche vorstellung für sie, kann sie doch ihre gesichtszüge und bewegungen nur begrenzt kontrollieren. sie krampft und zuckt, manchmal arbeitet ihr körper ohne oder auch gegen sie. ich war schon oft mit kat unterwegs, bei brücke-krücke (siehe: wir, die anderen) und auch als private assistenz. ich habe ihr die beine rasiert und die nägel lackiert, mich mit ihr betrunken, ich kenne ihre tränen und ihre freude und ihre sorgen und sie kennt meine, ich kann ihre lippen lesen, ich war mit ihr im krankenhaus und im meer, an vielen orten der welt. ich habe lange vergessen, dass ihre gestik und mimik aus einer behinderung erwachsen, es ist ihre art, mit der ich sie kennenlernte, etwas, das fest mit ihr verwoben ist und eine eigene schönheit entwickelt. ich hatte also weniger bedenken als sie um die frage, ob wir nachher zur brauchbaren ergebnissen kämen.
es war trotzdem eine besondere arbeit für uns beide. wir arbeiteten nur zu zweit, ich war fotografin und assistentin gleichzeitig. die zeit und die effizienz eines shootings sind völlig verschobene faktoren, wenn man sein model von a nach b trägt und an- und auszieht. das eigene körperbewusstsein während eines shootings ist ein völlig verschobener faktor, wenn man wenig kontrolle darüber hat. wie besonders es ist, wenn kat auf der fensterbank sitzt, erkennt man erst, wenn man weiß, was für ein wackliger kraftakt das für sie und ihren Körper ist. fotos entstehen über wochen und nicht über stunden hinweg.
ich fand mein model sehr mutig, und ich zeige unsere ergebnisse nicht, weil sie nicht normal sind, sondern weil sie vollkommen normal sind.